ABW Dorsten: Dankbar für soziales Netz

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Porträt von Sebastian F., der lächelnd in die Kamera blickt.
Sebastian F.

Sebastian F. ist einer von inzwischen 15 Klient:innen im ABW der Stiftung Haus Hall in Dorsten. Im Interview erzählt er seine Geschichte.

Eine Sucht mit nachfolgender Depression hatte den KfZ-Meister aus der Bahn gebracht. 

Wie kam es zu Ihrer Suchterkrankung?

Sebastian F.: Die Trennung meiner Eltern war ein einschneidendes Ereignis. Als sich meine erste große Liebe unerwartet von mir trennte, brachen alte Wunden auf. Da bin ich an die falschen Leute geraten. Vor meinem 18. Geburtstag habe ich täglich gekifft, dann kamen Partydrogen dazu. 

Trotzdem hatte ich Spaß am Lernen, ich hab meine Lehre verkürzt absolviert, als KfZ-Mechaniker gearbeitet und sogar den Meister gemacht. Ich wurde abhängig, als ich mir angewöhnte, mich aufzuputschen, um mein Leistungspensum zu schaffen.

Wie sind Sie da rausgekommen?

Mit der dritten stationären Drogentherapie. Es war die erste, die ich für mich und sonst niemanden gemacht habe. Seit anderthalb Jahren bin ich clean. Regelmäßig gehe ich zur Drogen-Beratungsstelle drobs in Marl. In der LWL-Klinik in Herten hatte ich Rückfall-Prophylaxe-Trainings. Dort gehe ich jetzt noch zur Garten- und zur Ergotherapie. Bei meiner psychischen Erkrankung werde ich ärztlich begleitet und nehme stabilisierende Medikamente.

Ich bin dankbar, dass wir in Deutschland so ein gutes soziales Netz haben. Und dass ich wenig Sucht-Druck habe. Für andere ist es härter. Jetzt übe ich, meinen Alltag zu strukturieren und meine Zeit sinnvoll zu füllen.

Wie sieht Ihr Alltag denn aus?

Ich stehe um acht Uhr auf und habe durch Körperpflege, tägliches Einkaufen, die Termine mit dem ABW, in der Klinik und in der Drogenberatungsstelle Fixpunkte in der Tages- und Wochenstruktur. Ich beginne, für mich zu kochen statt von Fast-Food zu leben. Zu bestimmten Zeiten sehe ich fern.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

In den KfZ-Bereich will ich auf keinen Fall zurück. Der ist für mich eng mit Drogenkonsum verbunden. Ich möchte eine Umschulung zum Verwaltungsfachangestellten machen, arbeiten gehen und keine Unterstützung mehr brauchen.

Ich knüpfe Kontakte mit dem Ziel, mir einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Ich habe mich beim Bogensportclub Dorsten angemeldet. Auch bei einem Gartenprojekt will ich mitmachen.

Wie werden Sie vom ABW unterstützt?

Nicole Huxel oder Miriam Bäumer kommen zweimal wöchentlich für je eine Stunde zu mir. Montags besprechen wir, was laufen soll. Freitags schauen wir, wie die Woche gelaufen ist.

Die Treffen helfen mir auch durch die depressiven Phasen, die ich nach wie vor manchmal habe. Außerdem helfen Nicole und Miriam mir auch bei Angelegenheiten mit Behörden. Auch die anderen ABW-Mitarbeiter hier motivieren mich! Sie halten mir vor Augen, was ich alles schon geschafft habe.