"Körpercafé" in der Wohnstätte Tisa

Evi Hemmert ist Sexualpädagogin bei der Lebenshilfe Dorsten. Sie bringt Bewohnerinnen und Bewohner der Haus Haller Wohnstätte Tisa ins Gespräch – mit Humor und Fingerspitzengefühl. Es geht um Themen und Erfahrungen rund um den Körper, um Gefühle und Sexualität.  

Bildkarten helfen beim Sprechen

Jeder und jede deckt reihum eine Karte auf. Was ist zu sehen? Als erstes: ein Mensch mit verschränkten Armen und beleidigtem Gesicht. Evi Hemmert fragt: „Wann warst du das letzte Mal beleidigt?“ Wer mag, kann antworten. Ein kleiner Austausch entsteht, der mit den nächsten Bildkarten „verwirrt“ und „neugierig“ neue Impulse bekommt.

Worte für Gefühle finden

„Ganz wichtig ist mir: Was sehen die Menschen in den Bildern, wo fühlen sie sich angesprochen und wie finden sie dann selbst Worte für Gefühle“, erklärt die Sexualpädagogin. Sie lenkt die Gespräche auf Fragen wie: Was ist Freundschaft? Was sind Gefühle? Wie fühlt es sich an, verliebt zu sein? Was möchte ich, was möchte ich nicht? Wo sind meine Grenzen und wie mache ich sie deutlich?

Verlegenheit weglachen

Mit der nächsten Runde Bildkarten wird das Gespräch körpernäher. Die erste Karte zeigt ein Bett. Was kann man alles im Bett machen? Die Teilnehmenden zählen auf: Kekse essen, Fernsehen schauen, Musik hören – und natürlich: Sex haben. Mit einem anderen Menschen. Oder allein. Was bedeutet das? Warum zieht man sich beim Sex aus?

Verlegenheit und Unsicherheit sind spürbar, aber auch der Wunsch, offen, unbefangen und selbstverständlich zu sprechen. Lachen ist dabei immer ein gutes Ventil, zum Beispiel, als eine Teilnehmerin ihren Traummann beschreibt: „Blaue Augen, keine Haare, gut gebaut.“

Samtige "Körperteile" zum Anfassen

Evi Hemmert leitet eine kleine Übung an: Alle streicheln ihren eigenen Unterarm – einmal auf dem Ärmel, einmal direkt auf der Haut – und fassen in Worte, wie sich beides anfühlt. Ein Gespräch entsteht: Wann habe ich Lust auf Berührung? Wann auf Sex? Was ist ein Orgasmus? Wie kann ich mir selbst ein schönes Gefühl machen?

Evi Hemmert hat samtweiche, plastische Modelle weiblicher und männlicher Geschlechtsorgane mitgebracht. Sie werden in die Hand genommen, machen Erklärungen anschaulich und greifbar.

Projekt der Lebenshilfe Dorsten

Das ‚Körpercafé‘ ist Teil des Projektes „Beratungsstelle für Sexualität“ der Lebenshilfe Dorsten, gefördert durch die Aktion Mensch.

Mitarbeitende der Wohnstätte Tisa hatten einige Bewohnerinnen und Bewohner gezielt für eine Teilnahme angesprochen. Vier bis fünf sind nun regelmäßig bei den monatlichen Treffen dabei.

Wer ein persönliches Anliegen nicht in der Gruppe vorbringen möchte, kann das auch im Einzelgespräch mit Evi Hemmert tun. „Das ‚Körpercafé‘ ist auch Präventionsarbeit vor sexuellen Übergriffen“, sagt sie, „wer Gefühle benennen kann, kann auch nein sagen.“