Essen auf Rezept

Rund 1.500 Mahlzeiten rollen täglich aus der Großküche von Haus Hall in Gescher. Gut 200 davon sind Sonderkost, für die das Diätetik-Team verantwortlich ist.

Mittags schwärmen sie aus, die Lieferfahrzeuge mit den Wärmebehältern. Nicht alle enthalten die Kost, die alle bekommen. Viele Betreute und Beschäftigte benötigen spezielle Nahrung. Zum Beispiel, weil sie nicht mehr schlucken können, Gicht haben oder allergisch auf etwas sind. Für solche Fragen sind in der Großküche Marlies Roling, Hauswirtschaftsmeisterin und diätetisch geschulte Fachkraft, und ihr Team zuständig.

Sonderkost und Individualkost

Gluten-, laktose- oder sorbitfrei, püriert oder Fingerfood, kalorienreduziert, hochkalorisch oder blähfreie Kost: Das sind nur einige Beispiele für die rund 200 Sonderkost-Mahlzeiten, die täglich aufgetischt werden, darunter knapp 100 Individualkost-Rationen, die exakt auf die speziellen Bedürfnisse einer bestimmten Person zugeschnitten sind.

Fundierte Kenntnisse über Krankheitsbilder und empfohlene Diäten sind dabei unabdingbar. „Ganz frisch wurde bei einem Betreuten Typ2-Diabetes diagnostiziert“, berichtet Roling, „bei der Diabetikerkost spielen die Kohlenhydrate und die Kalorien eine wichtige Rolle.“ Fingerfood eigne sich etwa für Demenz-Erkrankte, die auf diese Weise wieder etwas Selbständigkeit erfahren, aber auch für Menschen mit autistischen Zügen, die selbst bestimmen möchten, was sie essen.

Nachfrage ändert sich

Gestiegen sei die Nachfrage nach hochkalorischer Sonderkost, sagt Roling: „Die Betreuten werden älter. Ihr Hunger lässt nach, Kau-Schluckbeschwerden nehmen zu. Es gibt auch Patienten, die durch ihre innere Unruhe sehr viele Kalorien benötigen, diese aber mit den normalen Mahlzeiten nicht aufnehmen können.“ Auch Allergien und Laktoseintoleranz würden häufiger diagnostiziert als früher. Die Essensplanung erfolge immer in enger Abstimmung mit dem Hausarzt des oder der Betroffenen, wie sie betont: „Der Arzt muss eine Sonderkost anordnen.“ 

Beratung in gesunder Ernährung

Manchmal fühle sich ein Betreuter aber auch einfach nicht mehr wohl und wolle etwas abnehmen, berichtet Roling „Dann kommen wir für eine Beratung in die Wohngruppe und geben zum Beispiel Tipps für alternative Produkte.“ Die Übeltäter sind oft schnell identifiziert – und vermutlich den meisten von uns nur zu gut bekannt: „Süßigkeiten sind ein Problem und eine Ernährung mit zu viel Fett. Auch sind die Getränke oft viel zu süß.“